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Wie ich Daniel erlebt habe...

Seit ich Daniel kenne redete er davon, einmal zu töten. Ich war fast 16 als ich ihn kennenlernte. Das ist noch gar nicht so lange her, nicht mal 2 Jahre. Im Roxy, ich denke ihr wisst wovon ich rede. Viele Freunde hatte er nicht und ich kann verstehen warum. Er hat einen merkwürdigen Humor, eine merkwürdige Art an sich, kein Menschenfreund. Ich weiß nicht warum, aber  wir verstanden uns auf anhieb obwohl ich ganz anders bin als er. Erst verband uns nur die Musik.

Wie gesagt, er hielt seinen Freundeskreis bewusst überschaubar und so waren Daniel, ein gemeinsamer Freund und ich oft zu dritt unterwegs. Wir verbrachten die Zeit oft damit, so klischeehaft es auch klingt, auf Friedhöfen, aber meistens doch in Wäldern spazieren zu gehen. Wir redeten stundenlang, er las sehr viel und ich war auch immer sehr interessiert an diesen Dingen die er erzählte, aus Büchern. Ich diskutierte gern mit ihm, die Ebene war ideal.

Wenn die Zeit mit Daniel eins war, dann war sie lustig. Glaubt es oder nicht, er kann sehr witzig sein!
Die Themen über die wir redeten wiederholten sich, es ging um den Tod, ums töten an sich, um Familie, Musik und vor allem ums Leben. Er sah nicht wirklich einen Sinn darin. Frau, Kinder, Haus und Hund, das war nicht sein Ding. Eine Horrorvorstellung! Und dazu noch der körperliche Verfall. Davor schien er sich zu fürchten. Ich habe seine Eltern niemals gesehen, aber sie sind wohl so ende 60. Er lebte bei ihnen und es machte ihm Angst sie verfallen zu sehen.
Er liebt seine Eltern, zumindest kann ich das mit Bestimmtheit über seinen Vater sagen. Er redete manchmal davon, daß er ein lieber Mann sei, sehr fürsorglich.

Über das, was Daniel mit seinem Leben anfangen würde redet wir oft. Er wollte Spaß haben, soweit ihm das in dieser Welt voll `Untermenschen`, wie er alle bezeichnete die ihm nicht in den Kram passten (und es waren sehr viele), bezeichnete. Wenn er 30 würde, so schätzte er, seien seine Eltern tot.
Und damit sollte auch sein Leben enden, der wie gesagt, alt wollte er nicht werden. Aber er wollte den Menschen im Gedächtnis bleiben, als schaurige Erinnerung in etwa. 

Genau meinte er damit, sich ein schnelles Auto zu besorgen, viele Schusswaffen hineinzupacken, damit durch die Gegend zu fahren und so viele Menschen wie möglich zu töten. Und danach sich selbst, um 1.sein Leben, das bis dato ja gelebt sein sollte zu beenden und 2. dem Knast zu  entfliehen, denn dort wollte er niemals landen.
`Das ist ja wie tot sein, nur schlimmer.` sagte er.
Mehr Leute töten als die in Littleton und sonstwo. 

Das letzte Mal habe ich ihn so Anfang Februar gesehen. Wir sind spazieren gegangen und haben uns auf Schaukeln an einem Spielplatz gesetzt. Und wir redeten. Über all die Dinge die ich oben aufgelistet habe, und der Plan stand nach wie vor.
Aber, wer nimmt das wirklich ernst?!
Es wäre, wenn überhaupt in 5 Jahren passiert, das ist einige Zeit, vielleicht hab ich es auch von mir weggeschoben. Ich weiß es nicht. Ich glaube so ernst hab ich es nicht genommen, und wenn, es war mir vielleicht auch egal.
Ich habe ihn dann nicht mehr gesehen, nur von ihm gehört.
Er hatte sich mit seinen anderen Kollegen zerstritten. Die Geschichte ausführlich zu erzählen würde den Rahmen sprengen, aber es ging wohl auch um `Alegra`, wie Manuela sich von allen nennen lies.
Er hatte sich wohl sehr verändert, war ihr hörig.
Mit seinen Freunden war er also zerstritten, vor allem mit seinem besten Freund.
Wie ich gelesen habe verlor er auch seinen Job.
Ich denke das, und seine kranke Freundin waren der Grund, warum er diese Aktion mitmachte. Ob er allein dazu fähig wäre vermag ich nicht zu sagen, aber mich wundert das ihm seine Eltern egal zu sein schienen. `Diese Schande will ich ihnen nicht zumuten`, das waren immer seine Worte.
Die Wahl des Opfers verwundert mich eben so sehr. Wenn er eine einzelne Person zu töten plante, hätte ich auf den Ex-Mann seiner Schwester getippt. Er ist Türke und er schlug sie, es muß viel Streß mit ihm gegeben haben. Er hasste ihn, obwohl, wenn ich darüber nachdenke mag er seine Schwester auch nicht besonders. Ich weiß nur das sie dick ist und einen Türken geheiratet hat, aber nach Daniels Anschauungsweise war das genug sie zu verachten. Sich einen `Poser` oder einen Ausländer aus der Menge zu greifen hätte ich ihm eher zugetraut.
Aber mit `Hacki` schien er befreundet zu sein. Ich denke da kommt der Einfluss seiner `Frau` hinzu. Meines Wissens nach ist die Alte voll abgedreht. Als ich dieses `Hochzeitsbild` in der Zeitung sah war ich erschrocken. Er sieht sehr dünn darauf aus.
Aber ich will Daniel hier sicher nicht verteidigen, er ist wohl genauso  gestört. Meiner Meinung nach fehlte ihm ein Halt, ein Sinn im Leben und eine umfangreiche Therapie!
Aber es ist komisch diese Fotos und Berichte im Fernsehen zu  sehen. Dieses Auto, was ich so gut kenne mit der Tweety-Fußeinlage auf der Beifahrerseite und mein Brandloch auf dem Rücksitz wofür er mich fast gekillt hätte, denn er liebte sein Auto.
Das mit dem `fast gekillt` klang jetzt makaber,oder?! :-) 

Ob er wirklich Anhänger einer Sekte war, weiß ich nicht. Ich weiß nur das er viel über Okkultismus wusste, er las sehr viel darüber. Ob er wirklich Satan dienen wollte kann ich auch nicht sagen.
Aber die Hochzeit zum Beispiel diente auch nur dazu, später als mordendes Ehepaar in den Schlagzeilen zu stehen. Bei Überschriften wie `Satan und sein Teufelsweib` (ich glaube BILD schrieb es) ist ihm wahrscheinlich einer abgegangen. Das ist was er will. Und irgendwie hat er es auch geschafft.

Meine Mutter ist fast wahnsinnig geworden, als sie es erfuhr. `Mit was für Leuten hängst du rum?!` In meinem Alter, keine 18, ist das wohl verständlich, aber wer ist alt genug mit einem Mörder befreundet zu sein? 
Mir wird die Schiffshupe fehlen, die er an seinem Vectra angebracht hatte. Er stellte sein Auto in unsere Einfahrt und hupte. Klingeln war nicht. Oder wenn er mir nachts getextet hat, wenn er nicht schlafen konnte.
Den schönsten Text von ihm kann ich auswendig:
`It`s like a vision of  you in a frightenning night,I put the lovespell on you...`
Wahrscheinlich ist es aus irgendeinem Songtext geklaut,aber ich erinnere mich genau.
In den Wäldern in denen wir waren war ich seither nicht mehr und ich werde sie wohl auch meiden.
Es würde mich an einen guten Freund erinnern, der im Endeffekt einfach nur krank ist.

 



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